Gott hat einen Plan

Friedemann Hönsch bei der Predigt

Predigt im Jubiläumsgottesdienst von TEN SING Moormerland am 12.11.2011 in der Jacobi Kirche zu Warsingsfehn

Einspielung 1: Ausschnitt von Marius Müller-Westernhagen – Mit 18

Anschließend Anspiel Jugendliche

 

Ja, das war schon eine heiße Zeit in den 80ern. Vom Lebensgefühl von uns Jugendlichen haben wir gerade etwas gehört.

Marius Müller-Westernhagen - welche Laienband hat damals nicht „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ gespielt. Einfache Akkorde, ein Gefühl von Freiheit, Rebellion gegen das Elternhaus. Das alles fanden wir Jugendlichen damals in der Musik.

Zwar kam das erste erfolgreiche Album von Westernhagen schon 1978 raus. Aber bei uns in Ostfriesland kommt ja oft alles mit Verzögerung an.

 

Doch halt: TEN SING nicht – ganz im Gegenteil.

Hier in Moormerland konnten wir damals eine Premiere erleben. Die erste TEN SING Gruppe Deutschlands wurde hier gegründet, dank der Unterstützung der lieben Menschen aus Norwegen. Und schon schwappte eine Welle über uns Jugendliche, von der wir vorher nur träumen konnten. Auf einmal konnten wir uns so einbringen, wie es unserem Lebensgefühl entsprach. Unsere Musik, unsere Sprache unsere Art uns zu bewegen und miteinander umzugehen. Schon Westernhagen singt: „Wir wollen singen - nicht schön, sondern geil und laut“

Hammer! Da wollten wir dabei sein. Und so trafen sich zu Beginn tatsächlich weit über 100 Jugendliche im Gemeindehaus in Neermoorpolder und später in Warsingsfehn. Auf einmal war es möglich, frei und fröhlich mitten in der üblichen Gemeindearbeit mit eigenen Akzenten aufzutrumpfen. Unter dem Dach der Kirche war es durch TEN SING und somit auch durch den CVJM möglich, einen echten „Zufluchtsort“ zu haben, der sich allmählich zu einem Zuhause entwickelte.

Im wahrsten Sinne übrigens. Welcher Mitarbeitende hat nicht schon gedacht: „Ich könnte mir eigentlich auch im Gemeindehaus mein Bett aufstellen“?

Mit unserer Kultur vorkommen zu können, verdanken wir aber auch einigen erwachsenen – Haupt- und Ehrenamtlichen. Sie haben 1986 dafür gesorgt, dass die CVJM Vorstände und die Kirchenvorstände die Arbeit ermöglicht haben.

Ganz besonders sind hier natürlich Sabine und Burkhard zu erwähnen, die in den ersten Monaten von TEN SING Moormerland vermutlich um Jahre gealtert sind. Es war sicher nicht einfach mit uns!!! Vielen Dank an dieser Stelle allen Verantwortlichen von damals!

Also, Jugendkultur war und ist wichtig bei TEN SING. Vom zweiten „K“ haben wir gerade gehört – Kreativität: TEN SING nimmt nicht nur Kultur von außen auf, sondern entwickelt eigene Ansätze und ist ohne Ende kreativ dabei. Es gibt keine Vorgaben von Erwachsenen, bestenfalls eine Begleitung. TEN SINGer entwickeln eigene Theaterstücke, eigene Tänze, manchmal eigene Musik und eine eigene Art, miteinander den Glauben zu leben.

Es heißt, Christus ist die Mitte in dieser Arbeit. Diesen Ansatz gilt es immer zu überprüfen, da ich glaube, dass vieles nur möglich war, weil wir uns auf das Abenteuer Gott eingelassen haben. Am besten mache ich das an einem Beispiel deutlich:

Wir alle kennen den biblischen Petrus. In dessen Leben entdecke ich ganz viel von meinem Leben und eben auch vom „TEN SING Leben“.

Angefangen hat alles zunächst ganz unspektakulär. Petrus hat einen langen Arbeitstag bzw.  -nacht als Fischer hinter sich. Etwas frustriert, weil er nichts gefangen hat, eben Alltag.

Kennen wir auch, wenn es mal nicht so läuft.

Da kommt Jesus ins Spiel. Er kann Petrus motivieren noch mal raus zu fahren und, ihr kennt die Geschichte - er fängt Unmengen an Fisch. Ab diesem Zeitpunkt ist sein Leben anders, weil Jesus Unmögliches möglich macht.

Unbeschreiblich, überwältigend, erstaunlich, wunderbar, anrührend, mitreißend, befreiend, schön …

Das Leben in Gottes Reich oder das Leben bei und mit TEN SING? Was habe ich gerade beschrieben?

Noch mal:

Unbeschreiblich, überwältigend, erstaunlich, wunderbar, anrührend, mitreißend, befreiend, schön … Es ist nicht zu trennen.

Bei TEN SING haben wir ebenfalls nicht nur geredet, sondern gehandelt, so wie Jesus es uns vor gemacht hat. Jesus hatte auch bei uns (und hat es heute noch) die Finger drin, als wir gemeinsam geprobt, uns gegenseitig unterstützt und als wir geplant haben. Es war und ist eine besondere Atmosphäre unter dem Lichte Gottes miteinander zu tun zu haben und sein „Tagwerk“ wie Petrus zu gestalten.

Auf einmal bekommen wir eine unglaubliche Kraft geschenkt, die uns im Leben und darüber hinaus Sicherheit und Freiheit gibt. Und Gott öffnet mir die Augen für das, was möglich ist. Auch bei Petrus ist das so gewesen.

Zuerst hat er die Predigt von Jesus verfolgt, da Jesus von seinem Boot aus geredet hat. Vielleicht hat er nicht alles verstanden, weil es neu war.

Das Verstehen aber kam wenig später als er durch den Fischfang merkte, was für eine Kraft von Jesus ausgeht.

So habe ich TEN SING erlebt und verstanden. Gott gibt die Kraft für unser tun.

Wenn er in unser Leben tritt, verändert sich die Perspektive und wir entdecken unendliche Möglichkeiten für unser Leben. Doch ist es immer so?

 

Einspielung 2 – Mensch, Herbert Grönemeyer

Anschließend Anspiel Jugendliche

 

Wie im echten Leben, gibt es auch im TEN SING- oder im Gruppenleben Phasen, die nicht so toll sind. Es scheint nichts mehr zu gehen. Es ist keine gute Stimmung. Es fehlen Leute und Begeisterung. Das Material ist hinüber (Fahrrad). Es gibt echte Probleme. Ernsthafte Probleme, die uns in unserem Alltagsleben richtig Sorgen machen. Es sind nicht „nur“ Gruppenprobleme, sondern Sorgen wie Ungerechtigkeit, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Trauer. Wir alle stehen oft mit leeren Händen da und wissen nicht weiter. Wir haben keinen Plan! Wo ist den nun dieser Jesus. Immer wenn man ihn wirklich braucht, ist er nicht da. Und vorbeifahren und mit ihm reden kann ich nicht, weil ich gar nicht weiß, wo er wohnt. Viele von uns kennen das.

Gott in der Not zu erkennen, ist nicht so leicht. Wir suchen immer nach dem tieferen Sinn und oft finden wir Gott nicht wirklich dabei. Es bleibt eine gewisse Leere.

Vielleicht kann ich mir dann nur die Hoffnung herbei singen, so wie Herbert Grönemeyer:

Momentan ist richtig

Momentan ist gut

Nichts ist wirklich wichtig

Nach der Ebbe kommt die Flut

Am Strand des Lebens

Ohne Grund, ohne Verstand

Ist nichts vergebens

Ich bau die Träume auf den Sand

Und es ist, es ist ok

Alles auf dem weg

Und es ist Sonnenzeit

Unbeschwert und frei

Und der Mensch heißt Mensch

Weil er vergisst

Weil er verdrängt

Und weil er schwärmt und stählt

Weil er wärmt, wenn er erzählt

Und weil er lacht

Weil er lebt

Du fehlst

 

Auch Petrus kennt das. Auch mit Jesus gab es einen grauen Alltag. Und da war nicht immer alles super. Als die Jünger z.B. im Boot unterwegs waren, hatten sie wegen der hohen Wellen große Schwierigkeiten klar zu kommen. Sie waren in Not, hatten Angst. Und Jesus, wo war der? Der hatte es vorgezogen, irgendwo in der Einsamkeit zu beten. Na super, jetzt, wo sie ihn brauchen könnten. Dann aber kommt er zu ihnen und zwar zu Fuß über das Wasser. Unglaublich dieser Jesus! Die Jünger reiben sich die Augen, haben zunächst Angst, aber dann erkennen sie ihn. Jesus sagt: „Erschreckt nicht!" Ich bin es. Ihr braucht keine Angst zu haben“. Was für eine Aussage!

Petrus ist auch gleich wieder motiviert und ahnt, dass es jetzt wieder richtig geil wird. Das kennt er ja schon. Wenn Jesus da ist, wird alles gut.

Er jumpt also über die Rehling und geht tatsächlich wie Jesus auf dem Wasser. Unglaublich! Es funktioniert! Doch dann merkt er, dass das Wasser um ihn herum immer noch tobt und er bekommt es mit der Angst zu tun. Die Folge ist, dass das Wasser ihn nicht mehr trägt. Er sinkt und schreit um Hilfe. Sogleich packt ihn Jesus und hält ihn fest. Das ist die Botschaft: Jesus kommt zur richtigen Zeit oder anders gesagt. Er ist da, auch wenn ich ihn nicht richtig sehe oder an alles, was er sagt, glauben kann. Das macht die Durststrecken, die ich in meinem Leben zu erleiden habe nicht weg. Die bleiben. Aber mit Petrus lerne ich, dass es sich lohnt, Jesus voll und ganz zu vertrauen. Bei ihm kann ich mich fallen lassen, auch wenn ich selber zu übermütig geworden bin und unterzugehen drohe.

Das bedeutet, eine Durststrecke bei TEN SING lässt sich auch überstehen, wenn die Gruppe weiterhin an Gottes Zusage festhält und weitermacht.

 

Einspielung 3: Feuer von Jan Delay

Anschließend Anspiel Jugendliche

 

„TEN SING geht weiter, weil wir es wollen und weil Gott seinen dazu Segen gibt.“

Das haben wir gerade gehört und das bringt es auf den Punkt. Neben Gottes Zutun haben wir eine eigene Verantwortung, dass es gut weitergeht mit uns.

Davon erzählt auch das Lied „Feuer“ von Jan Delay. Es gibt etwas von dem heutigen Lebensgefühl wieder und beschreibt gut, worauf wir achten können, damit das Feuer weiterhin in uns brennt. Er textet:

 

In allen Ecken hocken Menschen

mit einem riesengroßen Schlauch

Sie wollen dein Feuer löschen

und darum lauern sie dir auf

Die einen feiern nur das gestern

und spritzen mit Vergangenheit

Andre meinen Kohle wirkt noch besser

und sprühen Euros in die Flammen rein

Also pass auf!

Denn das Wichtigste ist,

dass das Feuer nicht aufhört zu brennen

Denn sonst wird es ganz bitterlich kalt

Ja, die Flammen im Herzen,

die sind durch nichts zu ersetzen

Darum halt sie am Laufen mit aller Gewalt!

(Feuer, Feuer, Feuer)

 

Mit aller Gewalt, das Feuer am Brennen zu halten ist keine gute Idee. Aber wir Christen, wir TEN SINGer haben da ja eine ganz andere Möglichkeit: Wir lassen Gott in unsere Mitte, weil wir wissen und erfahren haben, was das bewirken kann. Auch durch die Durststrecken haben wir erfahren, was es bedeutet, wenn Jesus mich in

meinem Leben begleitet. Nämlich, dass ich gehalten bin. Siehe Petrus auf oder im Wasser. Und mehr noch: Gott sagt uns ein Leben nach dem irdischen Leben zu. Es geht dann noch weiter. Er möchte uns sogar die Angst vor dem Tod nehmen. Das ist doch super! Das ist doch mal ein echt guter Plan!

Gott hat wenigsten einen Plan für mein Leben. Mit dieser Zusage können wir ja wieder so richtig durchstarten und unsere Aufgaben fröhlich anpacken. Sei es bei TEN SING, im Kirchenvorstand, bei der Arbeit, in der Familie … wo auch immer. Das Feuer Gottes brennt in uns lichterloh! Und andere, die das doof finden, müssen wir eben von der gute Sache überzeugen. Ihnen ist diese besondere Freiheit und

Fröhlichkeit im Christentum sicher fremd. Aber wir geben nicht auf - ganz im Gegenteil: Wir möchten auch weiterhin für andere ein Licht in dieser Welt sein!

Noch mal der Blick auf Petrus:

Obwohl Jesus wusste, dass Petrus ihn nach seiner Verhaftung noch verleugnen würde, hat er an ihm festgehalten. Mehr noch, er hat ihm große Verantwortung mit der Leitung der christlichen Gemeinde gegeben. Wie gesagt, Gott lässt nicht locker und möchte, dass wir unsere Fähigkeiten mit allen unseren menschlichen Macken einbringen und der Gemeinschaft zur Verfügung stellen. Denn sie werden gebraucht, so verrückt die Ideen vielleicht auch sind. Er möchte, dass wir die Kreativität, mit der er uns selber ausgestattet hat, einsetzen, um selber auch Spaß zu haben im Leben und von diesem guten Lebensgefühl etwas an andere weitergeben zu können.

Alles das sehe ich mit TEN SING sehr gut umgesetzt. Es wird gerade Jugendlichen in ihrer Lebensart sehr gerecht. Ich bin froh, dass ich für mich entdecken konnte, dass Gott für mich einen Plan hat und dass alles gut so ist, wie es ist. Ich bin nur aufgerufen, immer wieder neu zu prüfen, ob mein Handeln noch im Sinne Jesu ist,

damit das Feuer nicht ausgeht.

Und eine Frage und ein Aufruf zum Schluss: Hier sitzen jetzt ja sehr viel Erwachsene, die in ihrer Jugendzeit vieles von dem Gesagten auch erlebt haben. Menschen für die TEN SING- und die Gemeindezeit eine ganz besondere, ja unbeschreibliche Zeit gewesen ist. Christen, die erlebt haben, wie befreiend der Glaube an Gott sein kann und die sich dann ohne Rücksicht auf Verluste kreativ eingebracht haben.

Brennt unser Feuer noch und wo kann man das merken? Wo gibt es eine Möglichkeit, sich auch heute noch mit dabei zu sein? Lasst uns heute noch darüber ins Gespräch kommen! Wenn wir dieses Feuer noch verspüren, dann lasst uns nicht locker lassen, wie Gott auch nicht locker lässt und lasst uns helfen in unserem Umfeld an einem Teil von Gottes Reich mitzubauen. Und keine Sorge, Gott selber ist Baumeister und hat den Plan.

Amen


Autor: Friedemann Hönsch, Ostrhauderfehn

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