Andacht zur Gründung des CVJM Norddeutschland e.V.

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

in Matthäus 7,24 sagt Jesus: „Wer meine Worte hört und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut.“
Wer ein Haus bauen will, benötigt viele Dinge, vor allem aber ein festes Fundament, auf dem das Haus stehen kann. Gab es Pfusch am Fundament, dann wird man mit dem Haus darauf nicht viel Freude haben. Ist das Fundament aber tief und fest gelegt, kann man darauf ein herrliches, großes Haus bauen, was immer das in unseren Bezügen heißen mag.

Heute beginnen wir nach langen Planungen, das Haus „CVJM Norddeutschland“ zu bauen. Dieser Hausbau benötigt eine feste Grundlage, eine klare Haltung, eine starke Motivation und eine sichere Orientierung. Was ist sein Fundament? Wenn Jesus von „meine Worte“ spricht, dann müssen wir bei der Antwort nach dem Wort Gottes fragen. Dabei ist mir klar geworden:

Das Fundament des CVJM Norddeutschland sind Beziehungen.
Ich begründe das mit zwei kurzen biblischen Aussagen:

1. In 1. Kor. 3,11 steht: „Das Fundament, das bei euch gelegt wurde, ist Jesus Christus. Niemand kann ein anderes oder gar besseres Fundament legen.“
Damit dieses Fundament unserem Haus Stabilität verleiht, müssen wir der Beziehungsgestaltung zu Jesus Christus eingestanden und gewollt die allerhöchste Priorität einräumen. Der Schlüssel dazu ist der Glaube an den lebendigen Gott und das Vertrauen in sein Handeln durch seinen Sohn Jesus Christus.

Wir können ohne diese Beziehung eine Menge auf die Beine stellen und Erfolg haben –auch im CVJM- aber es wird im Sinne des Reiches Gottes keine Qualität und keinen Bestand haben.

Dieser Beziehungsgestaltung ist nichts aber auch gar nichts vorzuziehen – auch keine frommen Aktivitäten. Wir können natürlich soviel für Jesus und den CVJM arbeiten, dass wir keine Zeit mehr für diese Beziehungsgestaltung haben. Dann werden wir aber mit unserem noch so frommen Tun ins Leere laufen.

Deshalb möchte ich alle zukünftigen Mitarbeitenden und Leitenden im CVJM Norddeutschland eindringlich bitten: Macht euch bitte zuerst einen Kopf darüber, wie ihr der Gestaltung der Beziehung zu Jesus Christus einen Wert verleiht mit eigenen Rahmenbedingungen und kreativ-gestalteten Inhalten. Diese Praxis verhindert, dass die Verkündigung des Wortes Gottes lediglich schmückendes Beiwerk ist, bevor wir dann zum Eigentlichen kommen. Wagen wir es vertrauensvoll, die Prioritäten so zu setzen, dann kommt unsere Arbeit nicht zu kurz, sie wird aber eine andere Grundlage haben und damit eine andere Farbe bekommen.

2. In Galater 6,10 steht: „Solange uns noch Zeit bleibt, wollen wir allen Menschen Gutes tun; vor allem aber denen, die mit uns an Jesus Christus glauben.“
Das ist das zweite Fundament – von dem ersten zu unterscheiden, aber nicht zu trennen: Die Beziehungsgestaltung und Gemeinschaft der Brüder und Schwestern! Ich will das mal persönlich sagen: Seitdem ich 1973 Zivi im CVJM-Landes-verband Ostfriesland wurde, bin ich gerne zum CVJM Nordbund gefahren. Und das hat sich bis 2007 und auch bei den wenigen Treffen danach durchgehalten.

Zum Nordbund fahren war für mich etwas ganz Großes: Vor allem war die Begegnung mit den Menschen dort wichtig: Mit Klaus Martin Jansen, mit Walter Ihler, mit Heidi Fenn, mit Rolf Karkmann, den Kollegen, dem Vorstand und den anderen Christen aus den Landesverbänden. Das hatte was, und das wurde bewusst gestaltet, und das wünsche ich mir auch für den neuen Dachverband.

Deshalb möchte ich auch hier eindringlich darum bitten, das wir uns alle vor allem Arbeiten einen Kopf darüber machen, wie wir der Beziehungsgestaltung und Gemeinschaftspflege eine eigene Würde verleihen können. Das wir kreativ darüber nachdenken, wie wir denen, die da kommen werden, etwas spürbar Gutes tun können.

Das verhindert dann, dass wir uns selbst und die Mitarbeiten-den lediglich als Funktionswesen sehen. Ich habe oft in meinen Tätigkeiten gewaltig unter Druck gestanden. Dann sollten die Mitarbeitenden gefälligst funktionieren. Und wenn sie das nicht taten, war ich sauer.

Wenn wir es so im neuen Verband machen, dann haben wir vielleicht unsere Tagesordnungen geschafft, aber viele werden mit dem Gefühl nach Haus fahren, dass da noch etwas gefehlt hat, dass man persönlich gar nicht wichtig war, sondern nur die Sache im Vordergrund stand. So soll es unter Christen nicht sein! Wir müssen hier geradezu einen Kontrapunkt setzen zu unserer gottvergessenen Leistungsgesellschaft!

Über allem Funktionieren soll die Beziehungspflege stehen. Und zum Milieu all unserer Treffen und Aktivitäten soll die höchste Wertschätzung Gottes und unserer Mitchristen gehören. Nehmen wir diesen Gedanken ernst, werden wir die Zeitstruktur unserer Treffen verändern müssen. Machen wir es so, dann wird die Verbundenheit zu Gott und untereinander wachsen, und die Motivation und Freude an der Arbeit im CVJM bei den Mitarbeitenden gewaltig zunehmen – wie auch die Lust zum CVJM Norddeutschland - davon bin ich überzeugt!

Ich möchte beten:
Lieber Herr, zeige uns deinen Weg, der uns frei macht von unserem Zögern. Zeig uns den Weg Christi, der durch Not und Freude der Welt geht. Zeig uns den Weg, der hinführt zu dir und zugleich zu den Brüdern und Schwestern.


Autor: Friedemann Kretzer

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