An Gottes Hilfe will ich glauben

Ich möchte euch, liebe Freundinnen und Freunde unseres CVJM-Landesverbandes ganz herzlich begrüßen. Ich freue mich, dass ihr den Weg hierher gefunden habt und uns damit die Möglichkeit gebt, uns ein wenig für eure Freundschaft und auch eure Spendenbereitschaft zu revanchieren.
Ich möchte euch mit einer kurzen Andacht auf dieses Treffen einstimmen, einer Andacht zu einem Thema, an dem eigentlich keiner zu Beginn eines neuen Jahres vorbeikommt: die guten Vorsätze.
Keine Angst, ich werde hier nun keine Abfrage starten, wer sich etwas für das neue Jahr vorgenommen hat. Das soll lieber jeder mit sich selber abmachen. Der eine sagt vielleicht: „Ja, okay, der Beginn eines neuen Jahres ist ein guter Zeitpunkt, um einmal einige Änderungen in meinem Leben vorzunehmen.“ Ein anderer meint: „Was soll der Quatsch, das halte ich sowieso nicht durch, ich nehme mir erst gar nichts vor, dann bekomme ich auch kein schlechtes Gewissen, wenn es nicht klappt.“
Laut einer internationalen Studie haben übrigens 71 % der Deutschen gute Vorsätze für 2012.
Interessant ist auch ein Blick darauf, was die Menschen sich so alles vornehmen. Da stehen an erster Stelle Dinge wie nicht mehr rauchen, abnehmen und mehr Sport treiben. Aber wie es denn mit Vorsätzen wie: gelassener will ich werden, freundlicher, verbindlicher, ich will mich mehr engagieren, meine Beziehungen zu Familie und Freunden stärken und auch im Glauben wachsen. Werden diese Dinge so selten genannt, weil sie noch schwerer umzusetzen sind?
Was bedeutet denn eigentlich der Begriff „guter Vorsatz“? Wenn man etwas vorsätzlich tut, dann tut man es bewusst. Nehmen wir uns unsere guten Vorsätze auch bewusst vor? Oder nur, weil es erwartet wird? Weil es alle machen oder weil wir uns Veränderungen herbeiwünschen, ja eventuell sogar herbeisehnen?
Das neue Jahr ist nun bereits 14 Tage alt, was ist geblieben von dem, was wir vorhatten? Es gibt eine sogenannte 72-Stunden-Regel. Diese besagt, wenn wir nicht innerhalb von 72 Stunden nach einer wichtigen Entscheidung – also innerhalb von drei Tagen – einen ersten konkreten Schritt getan haben, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass wir unser Vorhaben tatsächlich umsetzen, auf unter 1 %.
Das heißt, gute Absichten, die nicht innerhalb von 72 Stunden Realität werden, gehen im Alltag unter.
So ganz unwahrscheinlich finde ich diese Regel nicht. Denn wie oft habe ich schon bei mir selbst festgestellt, dass viele Ideen, Träume, Pläne und Gedanken nicht in die Tat umgesetzt werden, weil ich sie auf die lange Bank geschoben habe.
Was für ein Stress, die Sache mit den guten Vorsätzen. Es hört sich erst so gut an und dann stelle ich ziemlich bald fest, dass es wirklich nicht leicht ist, mein Leben zu ändern. Wahrscheinlich mag ich sie deswegen so wenig, diese kleinen nervigen Vorhaben, die mir so schnell ein schlechtes Gewissen machen. Diese zwar sanften, aber doch penetrant vorhandenen Selbstermahnungen, die mir vormachen wollen, dass das Glück plötzlich zum Greifen nah ist, wenn ich nur ein paar meiner schlechten Angewohnheiten besiege.
Ich finde es spannend und befreiend zugleich, dass die Bibel uns immer wieder darauf hinweist, dass niemand nur aufgrund von guten Vorsätzen ein erfülltes Leben bekommt. Vor allen Dingen dann nicht, solange die guten Vorsätze uns einreden: „Du hast es selbst in der Hand, du musst es nur wollen.“ Ganz im Gegenteil, in der Bibel heißt es: „Du kannst noch so viel erreichen wollen, das, was dein Leben ausfüllt, was es reich und stark macht, das wirst du nicht alleine schaffen.“ Gleichzeitig macht uns die Bibel aber auch Mut: Veränderungen sind möglich, weil bei Gott nichts unmöglich ist.
Es macht einen großen Unterschied, ob ich bei Veränderungen auf mein Wollen oder auf Gottes Können vertraue. Es tut gut zu wissen, dass Gott mich mit den Herausforderungen meines Lebens nicht alleine lässt. Gottes Zusage: „Das Alte ist vergangen, siehe, ich schaffe etwas Neues“ ist eine große Ermutigung. Daher soll mein guter Vorsatz lauten: an Gottes Hilfe will ich glauben.
Und noch etwas ist wichtig. Die Vorstellung, dass ausgerechnet der Jahreswechsel der entscheidende Stichtag für eine grundlegende Veränderung meines Verhaltens sein soll, muss mich nicht länger beunruhigen. Als Christ darf ich zum Glück eine ganz andere Vorstellung von Neuanfang haben. Gott will mir an jedem Tag, in jedem Augenblick eines Jahres helfen, meine Vorsätze in die Tat umzusetzen. An jedem Tag, an dem ich solch eine Erfahrung mit Gott machen darf, beginnt in meinem Leben etwas Neues.
In diesem Sinne ist uns auch die Jahreslosung eine große Hilfe und Stärkung.
Jesus Christus spricht:“ Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“, diese Zusage dürfen wir in Anspruch nehmen, wenn oder besser gesagt, weil unsere eigene Kraft nicht ausreicht. AMEN


Autor: Dorothee Möhlmann

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